Donnerstag, 14. September 2017

5. September: Ærøskøbing – Dyvig

Den Vormittag gingen wir überaus entspannt an. Nach dem Frühstück erkundeten wir bei Tageslicht das Städtchen Ærøskøbing, welches über sehr viel Charme verfügt. Das liegt auch daran, dass die Stadt aus einer anderen Epoche zu stammen scheint, was durchaus den Tatsachen entspricht. Nicht ohne Grund steht Ærøskøbing unter Denkmalschutz, was gewiss zur Bewahrung seines malerischen Flairs beigetragen hat.

Unser schwimmendes Zuhause für die nächsten Tage (Najad 360)
Die Phoenix im Hafen von Ærøskøbing stiehlt allen die Schau (Foto: Ulrich Stelzner)

Ein Rundgang durch die malerische Stadt Ærøskøbing lohnt sich allemal
Schnuggelige Häuser, die in der Tat aus einer anderen Epoche stammen (Foto: Ulrich Stelzner)
Ein Platz, der zum Verweilen einlädt - und eine Whisky-Tour ist ebenfalls möglich, wem eher nach Zerstreuung ist

Letztlich fanden wir uns in einem stimmungsvollen Café ein, wo wir die Atmosphäre in uns aufnahmen und die zahlreichen Erzeugnisse begutachteten, die aus der Umgebung stammen und zum Verkauf angeboten werden. Zudem ließ ich es mir nicht nehmen, die Brennblase zu besichtigen, die aus Baden-Württemberg stammt und in der jener Whisky hergestellt wird, von dem ich am Abend zuvor gekostet hatte.

Selten habe ich ein gemütlicheres Café / Geschäft besucht ...
... so dass man gerne die angebotenen Waren in Augenschein nahm oder die heimelige Atmosphäre genoss.
Tja, der Ærø-Whisky war leider schon komplett ausverkauft ...
... dafür konnte man gleich um die Ecke die entsprechende Brennblase besichtigen, die aus Oberkirch stammt.

Am frühen Nachmittag machten wir dann die Leinen los und setzten Segel in Richtung Dyvig (ca. 35 nm). Wir wurden mit mäßigem, anhaltendem Wind bedacht, so dass wir die Strecke – abgesehen vom Ab- und Anlegemanöver – zum ersten Mal ohne Zuhilfenahme des Dieselmotors zurücklegten.
Unterwegs sichteten wir mehrere Schweinswale, die in der Nord- und Ostsee anzutreffen sind. Da es sich in der Regel um scheue Tiere handelt, bekamen wir lediglich die Rücken mitsamt Finne zu Gesicht. Leider war die Entfernung zu groß, um brauchbare Fotos zu machen.

Jetzt segeln auch wir mit gesetztem Blister-Vorsegel
Sanftes Dahingleiten bei ruhiger See in der Schmetterling-Segelstellung (Foto: Philipp und Ulrich Stelzner)

Obwohl man während der Überfahrt die meiste Zeit im Cockpit sitzt und bis auf das ein oder andere Wende- oder Halsemanöver nicht sonderlich viel zu tun hat, kam bei mir komischerweise nie Langeweile auf. Die frische Brise, die sich kräuselnde See, schäumende Wellen, das Schaukeln des Schiffes, das nahe und doch so ferne Ufer, die anderen Segler um einen herum: Es gab immer irgendwo etwas Neues zu entdecken. Nach einer Weile begann ich, Zeit gänzlich anders wahrzunehmen. Zwar ertappte ich mich immer wieder dabei, auf die Geschwindigkeitsanzeige (in Knoten) zu schielen, dennoch gefiel mir diese Art der Fortbewegung sichtlich. Als Glücksfall erwies sich, dass niemand von uns – auch bei rauem Wellengang – an Übelkeit litt, so dass ein jeder die Reise in vollen Zügen genießen konnte.

Am Steuerrad wurde immer wieder abgewechselt, so dass sich jeder für kurze Zeit als Skipper fühlen konnte
Die Dämmerung setzte bereits ein, als wir den Hafen von Dyvig ansteuerten, der in einer geschützten, natürlichen Bucht liegt, die schon von den Wikingern aus strategischen Gründen genutzt worden ist. Beim Anlegemanöver wurden wir bereits von Saskia erwartet, die uns beim Vertäuen des Schiffs zur Hand ging. Ihr war beim Einlaufen der Schiffsname aufgefallen. Und da Saskia schon seit geraumer Zeit Bens Experiment auf der „Phoenix“ verfolgte und unterstützte, wollte sie die Gelegenheit wahrnehmen, um den Initiator endlich persönlich kennenzulernen.

Nach dem Abendessen folgte ein kurzer Landgang mit einer Begehung des am Pier befindlichen Badehotels, bei dem es sich um ein gehobenes Etablissement handelt. Danach riefen auch schon unsere Kojen, waren wir nach diesem ereignisreichen Tag doch ziemlich „geschafft“.